Sejá in Guatemala

Spende 2020

Monika Leuenberger hilft in Seja (Guatemala)  - es ist mir wichtig, Monika und ihre Projekte direkt zu unterstützen .

In ihrem Dankesschreiben (Sept. 2020) und ihrem Bericht (März 2021) schildert sie den Alltag in Guatemala.

Bericht im März 2021 zu Schulbildung und Hochwasser

Lieber Häsu

 

Bei der Verteilung von Soforthilfe bin ich auf eine Gruppe Jugendlicher aufmerksam geworden, die gerne auch im neuen Jahr die Schule besuchen möchten, deren Eltern sich das monatliche Schulgeld von rund 10 Schweizer Franken nach dem heftigen Hochwasser im November nicht mehr leisten können.

Viele Guatemaltekinnen und Guatemalteken beenden ihre Schulkarriere nach spätestens fünf bis sechs Jahren, wenn sie die Primarschule überhaupt besuchen. Lesen und schreiben fällt vor allem in ländlichen Gebieten vielen Leuten schwer, selbst für uns leichte Kopfrechnungen machen Mühe. Es fehlen die nötigen Grundlagen und das Training.

Umso höher schlug natürlich mein Seklehrerinnen-Herz beim Anblick dieser motivierten Teenager! Was kann man sich mehr wünschen als junge Leute, viele davon erst noch Frauen, die zur Schule gehen möchten?

Ich startete eine Sammelaktion für die Schulgebühren von 17 Jugendlichen und hatte unerwartet raschen Erfolg. Bald war die nötige Unterstützung beisammen, die nun alle paar Monate zum Einsatz kommt.

Dem Direktor der Schule im Dorf Playitas (vielleicht ist dir der Name schon als Marke der Bananen von dort begegnet) war es äusserst wichtig, dass die Jugendlichen im Januar mit dem neuen Schuljahr beginnen konnten, das mit der Bezahlung werde man später regeln, ordnete er an. Das machte ihn für mich äusserst sympathisch. Spätere Begegnungen mit ihm bestätigten meinen ersten Eindruck.

 

Ich habe mir erlaubt, eine Schülerin in die Obhut deines Projektes zu platzieren. Sie heisst Ana Iveth Pinto Rojas, ist 14 Jahre alt und besucht die 1. 'Sek'.

Sie liebt Musik, singt gerne und lernt Gitarre zu spielen.

Sie möchte Musiklehrerin werden :-)!


Mir war es wichtig, dass alle an der Schule Involvierten dieselbe Information von denselben Personen direkt erhielten.
Am 5. März organisierten wir deshalb einen Info-Anlass für die Jugendlichen und ihre Eltern. Der Direktor und ich sprachen über die Herkunft der Unterstützung, die monatlichen Zahlungen gemäss Präsenzliste und über die Pflichten der Lernenden und Erziehungsberechtigten.
Anas Mutter erhob sich danach spontan und bedankte sich sehr herzlich und rührend für die enorme Unterstützung. Sie sei unglaublich froh, könne ihre Tochter, eine begeisterte Schülerin, weiterhin dem Unterricht beiwohnen. Sie selber habe diese Möglichkeit nicht gehabt und freue sich umso mehr für ihre Tochter.
Man darf nicht vergessen, dass diese Familien das Wenige, das ihre Existenz bedeutete, durch das Hochwasser verloren haben. Sie haben Schlimmes erlebt und zum Teil tagelang auf Hausdächern ausharren müssen, ohne Aussicht auf Hilfe.

Ich bin überzeugt davon, dass der Schulbesuch für diese Jugendlichen auch das Zurückgewinnen eines kleinen Stücks Normalität bedeutet.

Anas Klassenlehrer wusste Anfang Jahr noch nichts von den Stipendien und hat freundlicherweise Anas Schulgeld für Januar und Februar bereits bezahlt. Ab März übernimmst du, vielen Dank, dass du Teil dieser grossartigen Aktion bist!

 

Ich schicke dir noch Fotos per WhatsApp, das Internet ist seit Tagen fürchterlich langsam.

Ganz liebe Grüsse aus Guatemala

Monika

Dankesschreiben im September 2020

Lieber Häsu

 

Ich hoffe, dir geht es gut.

Gerne informiere ich dich in dieser Mail darüber, was wir mit deiner extrem grosszügigen Spende bewirken konnten:

 

Nach vielen Hilfsaktionen in etwas abgelegeneren Dörfern war es an der Zeit, wieder etwas für die direkte Nachbarschaft zu tun. Am 21. August konnte der Pickup mit ganzen 35 Lebensmittelsäcken beladen werden. Diese stellt unterdessen und zu unserem grossen Glück die Besitzerin eines lokalen Tante Emma Ladens zusammen und das zu einem extrem fairen Preis. Ihr ist es ein Anliegen, so einen Beitrag zum Projekt beisteuern zu können. (Und mir ist es ein Anliegen, lokale Geschäfte zu berücksichtigen, statt den zur Walmart-Gruppe gehörenden Supermarkt im nächstgrösseren Ort.)

 

Los ging es in eines der Quartiere unseres Wohnortes Sejá, ein Arbeiterdorf mit gemischter Bevölkerung von Ladinos und Indigenen. In den meisten Fällen erkunden wir die Orte, an denen wir Grundnahrungsmittel verteilen, zunächst und erstellen Personenlisten. In diesem Quartier waren wir Anfangs Juni bereits einmal unterwegs und konnten diesmal die Liste noch erweitern.

Die Freude über den Sack mit Mais, Bohnen, Öl, Reis, Salz, Zucker, Kaffee und einem Pulver zur Herstellung eines vitamin- und proteinreichen Getränkes für Kinder war auch diesmal gross.

Meistens ergeben sich aus diesen Kontakten weitere kleine Projekte, diesmal erwähnte eine Mutter die Blutarmut ihrer Tochter im Teenager-Alter. Manchmal können wir direkt etwas organisieren, wenn jemand gewillt ist, statt eines Lebensmittelpaketes andere Hilfe zu sponsern. Oder ich leite die Anfrage an eine NGO, für die ich Freiwilligenarbeit leiste (mein kleiner Lohn fällt seit der Krise aus:-), weiter. Und manchmal müssen wir uns auch abgrenzen und sagen, dass ein Problem unsere Kapazität übersteigt.

Es kommt vor, dass die Leute vor der Übergabe der Waren gemeinsam beten und sich bedanken, indem sie uns etwas von dem Wenigen, das sie haben, schenken. So kehren wir manchmal mit Früchten heim, einmal übergab uns eine Frau gar eine Junghenne, die nun fröhlich mit unserem restlichen Geflügel hinter dem Haus herumhühnert.

 

Mit einem Teil deines Geldes habe ich die Kosten zweier kleineren Aktionen vom 13. und 18. August begleichen können, die Hilfe ging ebenfalls an Leute in Sejá, einmal an sieben ältere Personen, die Unterstützung besonders nötig haben. Einige haben keine Nachkommen, die zu ihnen schauen, anderen fehlt es am Nötigsten, weil Söhne und Töchter der Krise wegen selber keine Mittel zur Verfügung haben. Etwas wie eine AHV gibt es nicht oder nur auf dem Papier ...

Erst kürzlich entdeckten wir ein kleines Aussenquartier, in dem wir noch nie waren und wo wir zur gossen Überraschung der ziemlich ärmlich hausenden Familien zehn Lebensmittelpakete abgaben.

 

Den Rest habe ich für Benzin eingesetzt, welches unter anderem dazu verwendet wurde, Personen und Waren in eine abgelegene Ortschaft zu transportieren. Der Gemeindepräsident des Dorfes Santa Helena hatte uns angefragt. 25 Familien seiner Gemeinde waren vom Landwirtschaftsdepartement und der Bezirksregierung ausgewählt worden, um von der erst- und vermutlich auch einmaligen staatlichen Hilfe seit fast einem halben Jahr zu profitieren. Wir halfen natürlich gern!

Sechs Personen und die Monatsrationen von Mais, Bohnen & Co. von zwölf Begünstigten fanden auf der zum Glück kürzlich verstärkten (Rost!) Ladefläche Platz und ein weiteres Abenteuer nahm seinen Lauf ...

 

‚Leer‘ fährt man hier höchst selten herum, auf dem Rückweg geben wir zwei Frauen mit ihrem gesammelten Brennholz eine willkomme Mitfahrgelegenheit.

 

Tausend Dank, dass du all dies ermöglicht hast!

Manchmal kann ich kaum glauben, was ich alles erleben und bewirken darf. Es ist anstrengend, aber ich bin extrem dankbar für all diese Erfahrungen.

 

 Anbei ein paar Impressionen.

 

Liebe Grüsse

 

Monika Leuenberger